Latein.cc

Allgemeines über die Religion der Römer

Home » Das Leben im alten Rom » Allgemeines über die Religion der Römer

Der ursprüngliche Götterglaube der italischen Völker und Stämme war eine einfache Naturreligion, wie die aller Indogermanen, welche insgesamt ziemlich dieselben Götter verehrten. Unter den Indogermanen waren die Griechen mit einer besonders lebhaften Fantasie begabt, und sie schufen sich aus den ursprünglich von ihnen verehrten Naturmächten eine reiche Welt der Götter und Mythen. Ihre Götter wurden zu Persönlichkeiten.

Römischer Gott JupiterAnders war es bei den Römern und allen italischen Völkern, welche einen vorzugsweise auf das Praktische (das zu den Lebensbedürfnissen Gehörende) gerichteten Sinn hatten. Ihre Götter hatten keine bestimmte Persönlichkeit, sie legten ihnen nicht Empfindungen, Gedanken und Handlungen bei, ähnlich denen der Menschen. Sie bildeten keine eigentlichen Göttersagen aus. Das Großartige, das Göttern zugrunde liegende Naturanschauungen haben, nahmen die Römer ihren Göttern, welche mehr Begriffswesen waren. Dagegen entwickelte sich bei den Römern sehr der Dienst, den sie den Göttern widmeten. Ihre Religion war ihnen eine Sache des Gewissens und der Pflicht. Durch eifrigen Gottesdienst, Gebete und Opfer suchten sie die Kräfte der Natur für sich zu gewinnen, sich geneigt zu machen. Zahlreiche sachverständige Priester hatten bei den einzelnen Göttern die religiösen Gebräuche zu verrichten. Der Priesterstand nahm darum bald eine einflussreiche,nicht aber eine herrschende, Stellung bei ihnen ein.

In den ältesten Zeiten verehrten die italischen Völkerschaften (Sabiner, Latiner u. a.) ihre Götter in der freien Natur, ohne Tempel und Bildnis. Sie beteten auf Berghöhen zu den Göttern des Himmels, in heiligen Hainen und unter geweihten Bäumen. Auch die Verehrung der Flüsse und Quellen und des Feuers war unter ihnen sehr verbreitet. — Die Sabiner verehrten vorzugsweise den Sonnengott Sol, die Mondgöttin Luna, die Erdgöttin Feronia; Mam    rs, Quirinus (auch eine Speer- und Kriegsgottheit) und Juno. — Die Latiner verehrten Jupiter und Juno, den Erdgott Saturnus, die Mondgöttin Diana und ihren Gemahl, den Sonnengott Janus.

Weihe-Altar zu Ehren von Jupter und JunoDie Etrusker hatten dagegen einen ausgebildeten Cultus (Gottesdienst). Sie hatten viele griechische Sagenbilder aufgenommen, und ihre Götter entsprachen in der Bedeutung meist einem griechischen Gott. Vertumnus z. B., der vielgestaltige Gott der Früchte, stellt ähnlich dem griechischen Dionysos das wechselnde Jahr dar.

Die Religion der Etrusker hatte im ganzen einen trüben, fantastischen Charakter, denn dieses Volk fand Gefallen an wüsten, grausamen Anschauungen und Gebräuchen. Es erhielt sich bei ihm lange das bei den Griechen schon früh abgeschaffte Menschenopfer. Die Welt dachten sich die Etrusker als entstanden, und sie nahmen an, dass dieselbe nach einem oder mehreren Weltjahren wieder verschwinden werde. Ein Welttag enthielt nach ihnen 1100 Jahre.

Mit ihren wunderlichen Gebräuchen waren die Etrusker vorzugsweise die Begründer des Weissagewesens in Italien unter allen Formen: der Augurien (der Deutung des Vogelfluges), der Fulgurien (Deutung des Blitzes) und der Haruspicien (Eingeweideschau). Überhaupt war der Glaube an ein unsichtbares Schicksal (Fatum) sehr lebendig bei den italischen Völkern.

Die Römer sind nur in der Entwicklung von Staat und Recht herrschend und schöpferisch aufgetreten; in der Ausbildung ihrer Kunst, Literatur und Wissenschaft und namentlich in ihrer Religion erlagen sie den Einflüssen anderer Völker. Im Verlaufe der Zeit ist die römische Religion denn auch ein Gemisch geworden, zusammengetragen aus den Götterdiensten der verschiedensten Völker: den griechischen, den ägyptischen, den syrischen, den persischen u. a. Den verschiedenen Wandlungen entsprechend, welche die römische Religion erlitt, unterscheidet man 4 Hauptepochen in der römischen Religionsgeschichte.

 

Home Wörterbuch Übersetzungen Grammatik Das Leben im alten Rom Leo