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Die ersten beiden Epochen der römischen Religion

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Die erste Epoche der römischen Religion

In ihr verband und heiligte der König Numa Pompilius (ca. 750 – 672 v. Chr.)  in Rom die verschiedenen Götterkreise der einzelnen italischen Völker zu einer Staatsreligion. Seine Regentschaft, die er nach dem Tod des Königs Romulus gegen 715 v. Chr. antrat, war geprägt von weiser Gesetzgebung. Unter anderem traf er Anordnungen über Gottesdienst und Priesterwesen, über Opfer und Sühnungen und bestimmte die Gebetsformeln. Mit der strengen Einhaltung all dieser Vorschriften nahm man König Numa Pompiliuses sehr genau. Wenn ein Versehen im Laufe einer Zeremonie (feierliche Handlung) vorkam, musste sie von neuem begonnen werden. — Zum Mittelpunkt des häuslichen und bürgerlichen Lebens machte Numa den Vestadienst. Es heißt, Numa habe auch die Menschenopfer abgeschafft, statt welcher man fortan bei verschiedenen Gelegenheiten den unterirdischen Göttern allerlei Puppen und Masken weihte.

In der von Numa eingesetzten Verfassung der Geistlichkeit waren die Pontifices die Wächter der Staatsreligion. Es gab deren 4, an deren Spitze als fünfter der Pontifex Maximus stand. Letzterer hatte die meisten priesterlichen Ämter zu besetzen.

Eine Obliegenheit des Pontifex Maximus war es auch, auf eine geweißte Tafel die Ereignisse des Jahres aufzuschreiben: Wunderzeichen, Sonnenfinsternisse, Kriege, Todesfälle vornehmer Männer, in ganz einfacher Weise erzählt. Die Tafel wurde in seiner Wohnung aufgestellt, und diese Sitte erhielt sich bis auf die gracchischen Zeiten (c. 150 v. Chr.). Die einzelnen Annalen wurden danach in Bücher zusammengeschrieben, und annalea maximi, etwa Hauptchronik, genannt. Sie bildeten die erste Grundlage der römischen Geschichte. Die ältesten Annalen gingen aber bei dem Brande Roms durch die Gallier zugrunde.

Die Pontifices hatten das heilige und politisch wichtige Geschäft, den Bau und das Abbrechen der Tiberbrücke zu leiten; daher ihr Name Pontifices „Brückenbauer”. Sie verstanden das Geheimnis der Maße und Zahlen. Sie bewahrten die von Numa überlieferten Urkunden des geistlichen Rechtes und führten den Kalender des Staates, mussten dem Volke die Neu- und Auguren bei der Beobachtung der VögelVollmond- und die Festtage ankündigen lassen und hatten dafür zu sorgen, dass jede gottesdienstliche sowie jede Gerichtshandlung am rechten Tage vor sich gehe. Sie führten mit einem Worte die Oberaufsicht über den römischen Gottesdienst. Trotz dieser umfassenden Befugnisse hatten die Pontifices wie alle römischen Priester nicht zu befehlen, sondern nur Rat zu erteilen, nur dem Fragenden die Antwort der Götter auszulegen. Sie mussten, wie jeder andere römische Bürger, dem geringsten Staatsbeamten Gehorsam leisten. Bei Todesfällen ergänzten sich die Pontifices durch Selbstwahl, der Pontifex Maximus wurde durch Volkswahl aus ihnen genommen.
Die heiligen Gebräuche und Brandopfer wurden von besonderen Priestern, den 3 Flamines „Zündern” (je einem für Jupiter, für Mars und für Quirinus) vollzogen. Später gab es noch 12 Flamines niederer Ordnung für die anderen Götter.

Ein zweites Kollegium (Amtsgenossenschaft) der Geistlichkeit bildeten die Augurn, deren es anfangs 4, später 6, noch später 15 und mehr gab. Sie hatten die Aufgabe, den Willen der Götter zu erforschen, denn der religiöse Sinn der Römer gestattete nicht, etwas Wichtiges zu unternehmen, ohne die Götter zu befragen. Keine Volksversammlung wurde gehalten, keine obrigkeitliche Person trat ihr Amt an, ohne die Augurn zu befragen. Doch hatten die Augurn nicht wie die griechischen Seher die Zukunft vorherzusehen, sondern sie hatten aus gewissen Zeichen die Genehmigung oder Missbilligung der Götter für ein bestimmtes Unternehmen zu erkennen. Sie beobachteten hauptsächlich den Flug und das Geschrei der Vögel, die Blitze und das Fressen der heiligen Hühner. Auch den Zorn der Götter hatten sie zu sühnen. Außer diesem Kollegium gab es auch noch viele Augurn in Rom für das Privatleben.

Eine dritte Gruppe der Geistlichkeit waren die Brüderschaften, welche nur bei gewissen Festen in die Öffentlichkeit hervortraten. Die ihnen Angehörenden waren zu innigster Befreundung in Not und Tod angehalten. Solche Brüderschaften waren: die 12 Salier (Springer), welche den Dienst des Mars-leiteten; die 12 arvalischen Brüder (Ackerbrüder), welche den Dienst der Erd- und Ackergöttin Dea Dia versahen.

Unter Numa war der ganze Gottesdienst noch sehr einfach. Später wurde die Ausrüstung und das Auftreten der priesterlichen Collegien in Rom ein sehr vornehmes und glänzendes.

Die Priester durften die Toga praetexta (Toga mit einem Purpursaume) tragen, und es standen ihnen Ehrenplätze zu bei den Festen und Spielen. Das Opfer wurde mit verhülltem Haupt verrichtet, oder indem man das Obergewand über den Hinterkopf bis zur Stirn vorzog. Bei den aus Griechenland eingeführten Gottesdiensten aber wurde nach griechischem Gebrauch, d. h. mit unverhülltem Haupt, geopfert. Zu den himmlischen Gottheiten betete man stehend nach Osten gewandt und mit empor gehobenen Händen, wie die Griechen. Nur bei Bittgebeten kniete man, die Frauen mit ausgelöstem Haar.

Die zweite Epoche der römischen Religion

Sie beginnt mit der Herrschaft der Tarquinier über Rom, welche den etruskischen Cultus dahin versetzen und einen glänzenden Gottesdienst mit Tempeln und Bildern und die Verehrung vieler neuer Götter (namentlich griechischer) einführten.

Prozession der OpferpriesterTarquinius Priscus erbaute dem Jupiter ein neues, dreizelliges Heiligtum auf dem Capitol. Hier thronte fortan die göttliche Trias (Dreiheit): Jupiter (die höchste Macht), Juno (die höchste Weiblichkeit) und Minerva (die höchste Weisheit), in unbestrittener Herrschaft und Hoheit. — Auch der Apollodienst wurde von den Tarquiniern nach Rom versetzt.

Mit der Erhöhung der Glorie des Gottesdienstes war nicht nur die Errichtung von Tempeln mit Götterbildern verbunden, sondern auch die Feier prunkvoller Spiele.

Bei den römischen Spielen bildeten 3 Dinge die Hauptbestandteile:

  1. der feierliche Opferschmaus;
  2. die feierliche Prozession oder Pompa (Umzug), welche die Attribute (Abzeichen) des Jupiter, der Juno und der Minerva auf Prozessionswagen vom Capitol zum Circus (der Rennbahn) herunter geleitete, damit die Götter sinnbildlich bei den ihnen gefeierten Spielen zugegen waren;
  3. die Spiele im Circus selbst.

 

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